Haushaltsrede zum Haushalt 2012
Haushaltsrede zum Haushalt 2011 der Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
(Es gilt das gesprochene Wort)
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Sehr geehrter Herr Landrat,
die Verwaltung legte dem Kreistag den Entwurf der Haushalte des Kreises Euskirchen für die Haushaltsjahre 2011 und 2012 Anfang 2011 vor. Auf Drängen der Bürgermeister entschieden wir uns im zweiten Quartal dieses Jahres zunächst lediglich die Haushaltssatzung für 2011 zu beschließen.
Dem Grunde nach steht also einer Fortsetzung der Beratung der bereits eingebrachten Vorlagen, unter Beachtung der sich zwischenzeitlich ergebenen Änderungen, an. Was bei der Auflage des Doppelhaushaltes 2011/2012 für die Bürgermeister den Untergang bedeutete, ist heute ein sich jährlich wiederholender Verwaltungsvorgang.
Die Stellungnahme unserer Bürgermeister, wenn auch moderater als in den Vorjahren, zeugt mal wieder von einer nicht in Worte zu fassenden Realitätsferne. Während auf örtlicher Ebene kleinteilige und kleinkarierte Sichtweisen kultiviert werden, veränderten sich die Weltmärkte dramatisch. Ein Regierungsgipfel jagt den nächsten, ein Rettungspaket folgt auf das andere. Es scheint so, als ob jede Finanzierungshilfe eine endgültige Stabilisierung in noch weitere Ferne rückt. Nur eine Botschaft ist klar:
Am Ende wird eine Rechnung stehen, die wir alle persönlich zu begleichen haben. Nach dem Ende der Schulden-Krise wird es ein anderes Verständnis und andere Regeln zum Umgang mit Staatsfinanzen geben. Die westlichen Industriegesellschaften finanzieren ihren Lebensstil auf Pump. Jahr für Jahr übersteigen die Ausgaben die Einnahmen und die öffentliche Verschuldung steigt kontinuierlich in astronomische Höhen. Hinter Japan mit weit über 200% Staatsschulden in Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP), folgt der europäische Block, angeführt mit Griechenland mit ca. 140%, gefolgt von Italien, Portugal, Frankreich, Großbritannien. Selbst die USA liegt über 100%. Deutschland liegt im Bereich der gesamten Eurozone mit ca. 85%. Aber vor die Wahl gestellt, Leistungen einzuschränken oder den Bürgern neue Aufgaben zuzumuten, entschieden sich die Regierungen auf allen politischen Gliederungsebenen jahrzehntelang für noch ein „bisschen Mehrverschuldung“.
Dies geschah durchaus bei entsprechender Unterstützung durch die Wähler. Schuldenhöhen sind abstrakt und in unserem Alltag spielt es keine Rolle, dass ein ungedeckter Scheck für unseren Lebensstil irgendwann als Rechnung präsentiert wird. Der Bogen ist überspannt. Doch mit einem Mal wird sehr genau hingeschaut, wie hoch der jeweilige Schuldenstand ist und was zum Abbau unternommen wird.
Es häufen sich Fälle, in denen Staaten, Länder, Kreise, Städte und Gemeinden keine Kredite mehr erhalten. Da wird sich mancher Kämmerer bald umstellen müssen. Auch in der Bevölkerung tritt langsam ein Sinneswandel ein.
Den Menschen ist auf ein Mal der Abbau von Staatsverschuldung wichtiger als eine Steuerentlastung.
Damit ist ihnen die Zukunftsfähigkeit ihres Landes bedeutender als ein persönlicher, kurzfristiger Vorteil durch eine Steuerentlastung.
Auf ein Mal lassen sich mit dem Thema einer soliden Haushaltspolitik und einem gewissenhaften Einsatz der vorhandenen Mittel Wahlen gewinnen. Einschlägige Befragungen zeigen, dass nicht einmal die FDP-Wähler besonderen Wert auf Steuersenkungen legen. 60% der Befragten FDP-Wähler gaben an, ihnen sei eine Reduzierung der öffentlichen Defizite sehr wichtig. Von Steuersenkungen sagten dies nur 26%. Den Deutschen ist klar, dass die staatlichen…
Haushaltsrede zum Haushalt 2011 der Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
(Es gilt das gesprochene Wort)
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Sehr geehrter Herr Landrat,
die Verwaltung legte dem Kreistag den Entwurf der Haushalte des Kreises Euskirchen für die Haushaltsjahre 2011 und 2012 Anfang 2011 vor. Auf Drängen der Bürgermeister entschieden wir uns im zweiten Quartal dieses Jahres zunächst lediglich die Haushaltssatzung für 2011 zu beschließen.
Dem Grunde nach steht also einer Fortsetzung der Beratung der bereits eingebrachten Vorlagen, unter Beachtung der sich zwischenzeitlich ergebenen Änderungen, an. Was bei der Auflage des Doppelhaushaltes 2011/2012 für die Bürgermeister den Untergang bedeutete, ist heute ein sich jährlich wiederholender Verwaltungsvorgang.
Die Stellungnahme unserer Bürgermeister, wenn auch moderater als in den Vorjahren, zeugt mal wieder von einer nicht in Worte zu fassenden Realitätsferne. Während auf örtlicher Ebene kleinteilige und kleinkarierte Sichtweisen kultiviert werden, veränderten sich die Weltmärkte dramatisch. Ein Regierungsgipfel jagt den nächsten, ein Rettungspaket folgt auf das andere. Es scheint so, als ob jede Finanzierungshilfe eine endgültige Stabilisierung in noch weitere Ferne rückt. Nur eine Botschaft ist klar:
Am Ende wird eine Rechnung stehen, die wir alle persönlich zu begleichen haben. Nach dem Ende der Schulden-Krise wird es ein anderes Verständnis und andere Regeln zum Umgang mit Staatsfinanzen geben. Die westlichen Industriegesellschaften finanzieren ihren Lebensstil auf Pump. Jahr für Jahr übersteigen die Ausgaben die Einnahmen und die öffentliche Verschuldung steigt kontinuierlich in astronomische Höhen. Hinter Japan mit weit über 200% Staatsschulden in Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP), folgt der europäische Block, angeführt mit Griechenland mit ca. 140%, gefolgt von Italien, Portugal, Frankreich, Großbritannien. Selbst die USA liegt über 100%. Deutschland liegt im Bereich der gesamten Eurozone mit ca. 85%. Aber vor die Wahl gestellt, Leistungen einzuschränken oder den Bürgern neue Aufgaben zuzumuten, entschieden sich die Regierungen auf allen politischen Gliederungsebenen jahrzehntelang für noch ein „bisschen Mehrverschuldung“.
Dies geschah durchaus bei entsprechender Unterstützung durch die Wähler. Schuldenhöhen sind abstrakt und in unserem Alltag spielt es keine Rolle, dass ein ungedeckter Scheck für unseren Lebensstil irgendwann als Rechnung präsentiert wird. Der Bogen ist überspannt. Doch mit einem Mal wird sehr genau hingeschaut, wie hoch der jeweilige Schuldenstand ist und was zum Abbau unternommen wird.
Es häufen sich Fälle, in denen Staaten, Länder, Kreise, Städte und Gemeinden keine Kredite mehr erhalten. Da wird sich mancher Kämmerer bald umstellen müssen. Auch in der Bevölkerung tritt langsam ein Sinneswandel ein.
Den Menschen ist auf ein Mal der Abbau von Staatsverschuldung wichtiger als eine Steuerentlastung.
Damit ist ihnen die Zukunftsfähigkeit ihres Landes bedeutender als ein persönlicher, kurzfristiger Vorteil durch eine Steuerentlastung.
Auf ein Mal lassen sich mit dem Thema einer soliden Haushaltspolitik und einem gewissenhaften Einsatz der vorhandenen Mittel Wahlen gewinnen. Einschlägige Befragungen zeigen, dass nicht einmal die FDP-Wähler besonderen Wert auf Steuersenkungen legen. 60% der Befragten FDP-Wähler gaben an, ihnen sei eine Reduzierung der öffentlichen Defizite sehr wichtig. Von Steuersenkungen sagten dies nur 26%. Den Deutschen ist klar, dass die staatlichen Haushalte für lange Zeit keine großen Spielräume aufweisen.
Es gibt einen Paradigmenwechsel. Wer vor diesem Hintergrund so unbeirrbar an seinem Kurs festhält wie die Liberalen, erhält postwendend die Quittung und wenn sich hier im Kreistag die große Koalition von SPD und CDU nicht eine Neuorientierung zu Eigen macht, werden diese Fraktionen ebenso an Bedeutung verlieren. Der örtliche Schuldenstand unserer Kommunen ist mit fast einer halben Milliarde Euro gigantisch. Im Ranking der Kommunen führt die Stadt Euskirchen, gefolgt von Mechernich und Bad Münstereifel.
Der Kreis steuert eine bereinigte Schuldenlast von ca. 160 Mio. € zu.
Sehr verehrte Damen und Herren,
fällt Ihnen hierbei etwas auf? Die größten Widersacher einer gemeinsamen Linie, die schillerndsten Paradiesvögel, die ausgeprägtesten Egomanen, die Wortführer der Verweigerungsriegen haben selbst die höchsten Schuldenstände vor Ort zu verantworten.
Der Kreis Euskirchen finanziert seine Investitionen überwiegend durch eine Inanspruchnahme der Sonderrücklage Abfallbeseitigung.
Die Entnahme beläuft sich mittlerweile auf ca. 80 Mio. Euro. Nach der Barwertmethode sind zur Rückzahlung nach 10 Jahren allerdings bereits 120 Mio. Euro und nach 20 Jahren gar 175 Mio. Euro zu erbringen. In Folge der Aussetzung der Tilgung von in Anspruch genommenen inneren Darlehen, ist heute festzustellen, dass eine entsprechende Liquidität in adäquater Höhe nicht vorhanden ist. So weist die Rechnungsprüfung seit geraumer Zeit auf diese bedenkliche Entwicklung hin. Verschärft wird die Situation dadurch, dass die Veräußerungserlöse der Anteile an der Gemeinnützigen Baugesellschaft nicht realisiert werden konnten.
Es ist festzustellen, dass sich die fehlende Liquidität in der Eröffnungsbilanz verschlechternd auf die Eigenkapitalquote des Kreises Euskirchen auswirkt. Und im Ergebnis Ihrer Politik zeigt sich, dass vorhandenen Mittel für die nach heutigem Kenntnisstand prognostizierten Maßnahmen zur Nachsorge der Deponie Mechernich nicht ausreichen.
Wie wir bei dem aktuellen Bergschaden erkennen, ist zudem das Risiko weitaus höher, als angenommen, da in der langfristigen Finanzplanung zur Durchführung der Rekultivierung, die Mittel für Notfallmaßnahmen sehr stark begrenzt sind.
Trotz dieser ausdrücklichen Feststellungen bewegt Sie dieser unhaltbare Zustand nicht zum Umdenken. Die Gemeindeprüfungsanstalt bewertet Ihre finanzpolitischen Künste gar mit der zweitschlechtesten denkbaren Note.
Bei Ihrem Selbstverständnis ist Ihre Weigerung zur Diskussion des GPA-Berichts keine wirkliche Überraschung.
Mit der Einführung des NKF’s in 2009 wurde das Gebot der Eigenkapitalerhaltung im Sinne einer intergenerativen Gerechtigkeit
Die Effekte des Wirtschaftsaufschwungs im Jahre 2010 konnten nicht genutzt werden und die Finanznot entwickelt sich dramatisch weiter.
Der Kreis Euskirchen weist, gem. GPA, einen Schuldenstand von ca. 330 Mio. Euro auf. Dies entspricht je Einwohner ca. 2000 Euro. Bereinigt beläuft sich die Summe immerhin noch auf gut 160 Mio. Euro. Diese Dramatik erfordert ein inhaltliches Umdenken auf allen Ebenen. Der Druck auf Land und Bund muss noch erheblich gesteigert werden, um den Kommunen für die Erfüllung der ihnen übertragenen Pflichtaufgaben die entsprechende finanzielle Ausstattung endlich zur Verfügung zu stellen.
So ist eine deutliche Positionierung in der aktuellen Debatte um die Finanzierung der gravierend ansteigenden Soziallasten notwendig. Vor diesem Hintergrund sind die Prüfergebnisse der GPA (Gemeindeprüfungsanstalt) mit großer Sorgfalt zu bewerten.
Die Politik im Kreistag trug der Situation der Kommunen, die im interkommunalen Vergleich angespannter als im Landesdurchschnitt ist, dadurch Rechnung, dass Vermögensveräußerungen der Größenordnung von 60 Mio. Euro zur Stabilisierung der Kreisumlage verwand wurden.
Dies führt dazu, dass negative Jahresergebnisse in der Zukunft nur in einem sehr begrenzten Rahmen abgefangen werden können. Die Folgen drücken sich auch in der niedrigen Eigenkapitalquote des Kreises Euskirchen aus.
Eins der haushaltswirtschaftlichen Ziele, nämlich den elf kreisangehörigen Kommunen eine möglichst niedrige Kreisumlage zu bescheren, ist damit übererfüllt. Zudem ist der Preis hierfür mit unüberschaubaren finanziellen Risiken verbunden, da die Rekultivierung der stillgelegten Mülldeponie längerfristig einen Finanzbedarf verursacht, der nur durch Kredite gedeckt werden kann. Daher ist künftig eine angemessene Verzinsung der entnommenen Beträge verpflichtend.
Die Eigenkapitalquote mit rund 5% ist im Vergleich zum interkommunalen Mittelwert von 23% extrem niedrig.
Diese Situation wird sich in den kommenden Jahren dramatisch verschärfen. So stehen künftig dringend benötigte Investitionen, zum Beispiel bei dem vorgeschrittenen Anlagenabnutzungsgrad von bis zu 65%, an. Weitere immense Investitionen im Rahmen von Erhaltungsmaßnahmen, zum Beispiel im Straßenbau, belasten die zukünftige Situation zudem.
Werte Kolleginnen und Kollegen von SPD und CDU,
wer durchweg mangelhafte Noten für seine Finanzakrobatik bescheinigt bekommt, sollte sich endlich anstrengen, es besser zu gestalten, oder die Aufgabenfelder doch denen zu übertragen, die mit wirklicher Sachkenntnis das verursachte Chaos wieder in geordnete Bahnen lenken.
Wie urteilt F.A. Heinen über den Kreisparteitag der Christdemokraten: „Es fehlen junge Gescheite“. Weiter führt er aus, dass die CDU-Kreistagsfraktion nicht mehr wahrnehmbar ist und als wirklich gestaltende Kraft kreisweit nicht mehr aufleuchtet“.
Im Gegensatz zu den desaströsen Bewertungen der GPA im Bereich des Finanzmanagement schneiden alle anderen bewerteten Aufgabenfelder überdurchschnittlich und sogar bis zur Spitzenposition ab.
Und gerade in diesen Feldern ist deutlich die Handschrift der Grünen Kreistagsfraktion, wie zum Beispiel im Sozialbereich mit ihren Ansätzen, „Ambulant vor Stationär“, zu erkennen.
Wir empfehlen dringend einen konstruktiven Umgang mit den vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen der GPA, wenn auch nicht alle Ansätze in der vorgetragenen Form kurzfristig oder inhaltlich unverändert umsetzbar sind.
Ein weiteres Werkzeug auf dem Weg zur Entwicklung eines bedarfsgerechten Haushaltplanes ist die zweite durchgeführte Aufgabenkritik.
Für unsere Fraktion stehen hierbei immer die Effektivität und die Effizienz bei der Aufgaben- und Strukturanalyse im Vordergrund. Sparen als Selbstzweck und hierbei die eigene Handlungsfähigkeit aufs Spiel zu setzen, ist mit unserer Fraktion nicht machbar.
Wir sind daher hocherfreut, dass die Kreisverwaltung, unterstützt durch die Mehrheit in der Politik, sich auch in dieser Diskussionsrunde als lokaler Arbeitgeber positioniert. Dort wo nach gegebener Prüfung mit Augenmaß personeller Bedarf notwendig ist, muss diesem auch im Sinne einer Aufgabenerfüllung zum Gemeinwohl stattgegeben werden.
Die Ergebnisse der punktuellen Prüfung führten, im Gegensatz zu einem Personaleinsparkonzept von SPD und CDU, ohne Tiefsinn mit der Systematik der Rasenmähermethode, zu exakten Bewertungen mit der Notwendigkeit einer gezielten Personalverstärkung in kritischen Einheiten der Verwaltung. Aber auch bei den weiteren ca. 50 Prüfaufträgen aus der Aufgabenkritik an die Verwaltung gehen wir von realitätsnahen und zukunftsweisenden Umsetzungen aus.
Und wir können es besser machen als SPD und CDU, die Aufgaben der elementaren Daseinsvorsorge, wie zum Beispiel die Qualifizierung zum Ehrenamt in Stiftungen der KSK übertragen und sich verwundert die Augen reiben, wenn sie feststellen, dass über einen Schattenhaushalt auch keine grenzenlose Finanzierung möglich ist. Da wird tief in die Trickkiste gegriffen, wenn wie bei dem Projekt „Unser Dorf hat Zukunft“ festgestellt wird, dass zur Begleichung von Aufwendungen keine Mittel mehr vorhanden sind. Mit einer seriösen, bedarfsgerechten und vor allen Dingen ehrlichen Haushaltspolitik hat dies wenig zu tun. Wie Sie wissen geht es im allg. den Banken nicht gut. Auch die KSK ist keine unerschöpfliche Goldgrube. Vielleicht könnte F.A. Heinen die Losung „es fehlen Junge und Gescheite“ auch noch um den Aspekt der „Ehrlichkeit und Zukunftsfähigkeit“ erweitern.
Doch auch bei anderen gesellschaftsrelevanten Themenkomplexen gibt es insbesondere bei unseren Mehrheitsfraktionen erheblichen Nachholbedarf. Obwohl in den örtlichen Vertretungen quantitativ dominant, sind Sie nicht in der Lage, ein kreisweites Ergebnis zum Themenkomplex der Rekommunalisierung von Netzbetrieb und Stromlieferung zu erzeugen.
Sie sind in allen maßgebenden Gremien und gewerblichen Vertretungen präsent, aber nicht in der Lage, zukunftsweisende technologische Strategien zu entwickeln. Sich bietende historische Chancen opfern sie lieber bereitwillig kleinteiligen, lokalen Egoismen.
So sehr wir auch ihren Antrag zur Entwicklung eines Masterplans zur Planung und Nutzung regenerative Energiequellen im Kreis Euskirchen begrüßen, so signalisiert dieser offensichtlich, wie weit sie doch von den aktuellen Realisierungsszenarien entfernt sind und in der sachbezogenen Diskussion technologisch überrollt wurden. Es wird deutlich, dass sie auch dieses Instrument dazu nutzen werden, um
a.) mal wieder auf Zeit zu spielen und
b.) Verweigerungsstrategien zu entwickeln, die Ihre grundsätzliche Haltung mit Pseudo-Argumenten manifestieren.
In der strittigen Frage der Ausweisung von Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen sind sicherlich noch kritische Abwägungen notwendig.
Aber schauen Sie sich mal die Aussagen Ihres Fraktionschefs Laumann im Landtag NRW zu diesem Thema an. Bei ihm ist es angekommen, dass die Windkraft als Arbeitspferd unter den Regenerativen als erste die Marktfähigkeit erreichte.
Die ene identifiziert ein Potenzial von ca. 460 Mio. Euro in unserer Region, von dem mittelfristig 200 Mio. Euro planbar sind.
Und der größte bekennende Gegner von WKA fungiert als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung.
Natürlich erfordert der Einsatz dieser Technologie den bestmöglichen landschaftlichen Schutz.
Eine andere problemfremde Ansicht liefert die Bundesregierung. Weil ein Urteil des Bundesgerichtshofs in Bezug auf die Festlegung der Netzentgelte nicht ernst genommen wurde zahlt die komplette Nation ca. 2 Milliarden Euro zusätzlich an die Netzbetreiber.
Im Rahmen der gesetzlichen Regelung des Atomausstieges und der Energiewende wäre es ein leichtes gewesen, die angemahnte neue Regelung zu beschießen. Ein unglaublicher Vorgang! Ein derart umfängliches Versagen der Aufsicht hat es seit der Liberalisierung der Energiemärkte 1998 noch nicht gegeben.
Während die Regierung predigt, dass die Energiekosten nicht übermäßig steigen dürfen, beschert diese „Panne“ nun aber drastische und vor allem völlig unnötige Preissteigerungen für Strom- und Gasnetze, die ausschließlich der Energiewirtschaft zu Gute kommen.
Ganz anders hingegen der Umgang rund im das Thema Energie in der Landesregierung. Hier wird ein Klimaschutzgesetz als erstes seiner Art bundesweit, verabschiedet, in dem Klimaschutzziele verankert sind. Ziel des Gesetzes ist es, die Gesamtsumme der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 25% und bis zum Jahr 2050 um mindestens 80% auf der Basis des Jahres 1990 zu verringern. Durch ein verbindliches Konzept wird bis 2030 eine insgesamt klimaneutrale Landesverwaltung erreicht. Unbestreitbar ist jedoch, dass die Hauptakteure der Umsetzung des Klimaschutzgesetzes die Kommunen sind und hier ist die Effizienz des Gebäudebestandes, so wie die Umstellung auf regenerative und alternative Energieformen, der Schlüssel zum Erfolg. Spätestens seit dem Papstbesuch im September ist klar, dass die Grünen mit Beistand von ganz oben agieren. Während im Kreistag noch lamentiert wird, entstehen um uns herum regenerative Kraftwerke.
Die Sun-Parks Herhahn, Kalenberg, auf der zentrale Mülldeponie Mechernich und auch auf dem Berufskolleg Eifel, wie viele viele andere kleine Projekte, gehen zurück auf eine zielgerichtete Initiative von Machern, von Menschen, die die Zukunft gestalten wollen, von Technikern, Ingenieuren, von Betriebswirtschaftlern, die von der Notwendigkeit und der Dringlichkeit ihres Handelns überzeugt sind. Sie stehen am Wegesrand und schauen zu, wenn im Höhengebiet von Schleiden für WKA weitere 30 Mio. Euro investiert werden.
Selbst die Gemeindeprüfungsanstalt greift die Thematik der Effizienzsteigerung von unseren Immobilien auf.
So verwundert es die Fachleute, die sich seit Jahren mit der Problematik beschäftigen nicht, dass durch Ertüchtigung der Gebäudewirtschaft und konsequente Bewusstseinsbildung in der Frage des Umgang mit dem endlichen Gut der Primärenergiestoffe, die höchsten Einsparquoten mit ca. 1,5 Mio. Euro zu erreichen sind.
Würden alle Gebäude im Kreis, die vor 1980 errichtet wurden, unter energetischen Gesichtspunkten saniert, so läge das Auftragsvolumen für die Region weit über 500 Mio. Euro.
Lassen Sie uns diese gesellschaftlich relevanten und zukunftsweisenden Herausforderungen endlich angehen!
Wie es einer Bundesregierung in kürzester Zeit möglich ist, ihre Haltung zu Themen wie Wehrpflicht, Atomausstieg, Mindestlohn und Schulsysteme zu ändern, so sollte es auch Ihnen gelingen, hier vor Ort endlich eine nachhaltige und belastbare Strategie zu entwickeln.
Die Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen sehen ihre Auffassung zu elementaren und strukturellen Änderungsszenarien zur zukunftsweisenden Aufstellung durch eine Vielzahl von internen und externen Untersuchungen bestätigt. Natürlich bleiben die Rahmenbedingungen durch die Endlichkeit von landes- und bundespolitischen Eingriffsmöglichkeiten beschränkt.
In dem Ringen um einen fairen Umgang mit unserem Flächenkreis werden wir unseren Einsatz noch intensivieren. Hierbei werden wir uns an Gutachten, wie von Martin Junkernheinrich und Thomas Lenk orientieren. Dem Gutachten lag zu Grunde, dass im Jahr 2010 nur noch 8 von 427 Kreisen, Städten und Gemeinden ihren Haushalt ausgleichen können. Die Kassenkredite der NRW-Kommunen stiegen trotz der Hochkonjunkturjahre 2006 bis 2008 mit hohen Steuereinnahmen weiter an und erreichten zur Jahreswende 2010/2011 die Marke von 20 Milliarden Euro. Damit entfallen auf NRW etwa 50% aller in der Bundesrepublik aufgenommenen kommunalen Kassenkredite, also den Dispokredit für laufende kommunale Ausgaben etwa für Personal- und Sachmittel.
Das Gutachten zielt auf einen Aktionsplan „Haushaltsausgleich und Schuldenabbau“. Es könnten Finanzhilfen gewährt werden, um einen baldigen Haushaltsausgleich vorzunehmen und das Volumen der derzeitigen Kassenkredite bis zum Jahr 2020 zu halbieren. Die hierzu benötigen Mittel müssen vom Bund durch eine höhere Beteiligung an den Soziallasten der Kommunen, dem Land, aber vor allen Dingen von der kommunalen Solidargemeinschaft und den betroffenen Kommunen selbst aufgebracht werden.
Ein geeigneter Schritt in diese Richtung ist die bis zum Jahr 2014 festgelegte stufenweise Übernahme der Kosten der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung durch den Bund. Dieser durchaus ambitionierte Plan zur Schaffung sowohl eines nachhaltigen Haushaltsausgleiches als auch einer nachhaltigen teilweisen Rückführung der Kassenkredite verdient eine sorgsame Prüfung seiner Erfolgsaussichten unter praktischen und politischen Gesichtspunkten. Die ersten realistischen Rahmenbedingungen wurden durch das Gemeindefinanzierungsgesetz mit entsprechenden strukturellen Anpassungen durch die Landesregierung angegangen.
Dass bei diesem notwendigerweise unstrittigen Umverteilungsmechanismus auch Härten entstehen, ist dem System geschuldet.
Solidarität ist hier keine Einbahnstraße. Von den Empfängerstädten ist einzufordern, dass sie ihren Schritt zur Konsolidierung der Finanzen durch landeseinheitliche Kriterien und in einem transparenten Verfahren zügig erreichen und im Ausgleich die Schwächeren stützen.
Und bei diesen turbulenten Auseinandersetzungen bedarf es eben lokal entwickelter Szenarien aus der Region, die auch gemeinschaftlich vertreten werden. Und genau an diesem Punkt mangelt es im Kreis Euskirchen gewaltig.
Noch sind wir von solidarischem Handeln oder ja gar nur gemeinschaftlicher, vernunftbedingter Entscheidungen so weit wie eh und je entfernt.
Kleinteiliger Machterhalt dominiert nach wie vor das politische Geschäft und verstellt den Blick für notwendige Reformen. So ist es für die Grüne-Kreistagsfraktion nach wie vor undiskutabel den Haushalt vor Beendigung der Aufgabenkritik zu beschließen.
Die Art und Weise wie die große Koalition zudem mit den Handlungsempfehlungen der GPA umgeht, spiegelt das Unvermögen wider, mit strategischen Überlegungen und Szenarien auf die brennenden Problemfelder zu reagieren.
Wie wir in der Sitzung des RPA zum Krisenthema Finanzen erfuhren, wusste die CDU aber genau in welche Katastrophe Ihre Beschlüsse führen.
Sie nehmen also ganz bewusst die Insolvenz der Kreisverwaltung und damit auch die Handlungsunfähigkeit der Kommunen in Kauf, um ihre Gefolgsleute vor Ort zu befriedigen.
Was für ein Glück, dass Ihre Taktik langsam Raum in der öffentlichen Wahrnehmung gewinnt.
Wir sind nach wie vor interessiert an einem zukunftsfähigen und ehrlichen Haushalt, leider auch mit den notwendigen Härten.
Die Rückzahlung eines Überschusses aus 2011 ist ein vergiftetes Geschenk.
Nachhaltig wäre ein Einsatz zur Deckung der Finanzierungslücke im HH 2012.
Der von Ihnen eingeschlagene Weg bedeutet eine existenzielle Gefahr für die kommunale Selbstverwaltung. Es stellt sich lediglich noch die Frage, wann dieses Szenario der absoluten Handlungsunfähigkeit und Fremdbestimmung eintritt.
Aus diesem Grunde ist uns eine Zustimmung zu der vorgelegten Haushaltssatzung nicht möglich.
Der Verwaltung, insbesondere der Kämmerei, danken wir für die allzeit gewährte Unterstützung und Beratung zur Diskussion des Haushaltsplans.
gez. Jörg Grutke
Fraktionsvorsitzender
14.12.2011